Engpässe, Ellenbogenmentalität und dubiose Geschäftemacher – der Kampf um Schutzausrüstung

Was wir derzeit in unserer Branche erleben, könnte die Vorlage für einen schlechten Hollywood Thriller sein. Es besteht derzeit ein riesiger Bedarf an bestimmter, medizinischer Schutzausrüstung, aber die Beschaffung stellt sich als große Herausforderung dar. Auf internationaler Ebene ist ein regelrechter Kampf um gefragte Medizinprodukte entstanden.

Warum sind die Ressourcen so knapp?
Natürlich werden derzeit unserer Politik viele Fehler und Versäumnisse vorgeworfen und das ist zumindest zum Teil auch berechtigt. Aber es ist auch so, dass sich viele etablierte Großunternehmen derzeit scheuen, bestimmte Produkte wie Schutzmasken zu beschaffen, weil ganz einfach der Einkaufspreis explodiert ist. Nun zahlen zwar auch die Abnehmer derzeit gerne diese unverschämt hohen Preise, sofern sie denn nur überhabt was bekommen, aber die Großhändler/Importeure und Hersteller scheuen das Risiko, später auf überteuert eingekauften Beständen zu sitzen. Auch möchte man sich beim Kunden nicht unglaubwürdig machen, indem man die bei Bestellung vereinbarten Preise nun erhöht (erhöhen muss). Also stornieren viele Lieferanten die Bestellungen ihrer Kunden. Aber auch die Bestellungen der Lieferanten selbst wurden von vielen Herstellern storniert, weil diese plötzlich keine Produktionskapazitäten mehr haben oder ebenfalls zum zugesagten Preis nicht mehr liefern können oder wollen.  Aus wirtschaftlicher Sicht ist das alles verständlich, wie man das moralisch bewertet bleibt jedoch jedem selbst überlassen.
Nebenher hat sich ein Schattenmarkt für Schutzkleidung mit dubiosen Angeboten und echten Wucherpreisen entwickelt. Geschäfte mit hoher Anzahlung oder Vorauskasse entpuppen sich meist als Betrug. Es kommt keine Ware und auch das Geld ist weg. Eine weitere Masche unseriöser Hersteller bzw. Agenten (meist aus China) ist der durchaus echte Geschäftsabschluss mit „guten“ Preisen, bei dem der Besteller nach Anzahlung dann aber auf die Wartebank geschoben wird und zum vereinbarten, günstigen Preis die Ware erst dann bekommt, wenn sich die Lage abgekühlt hat und wieder mehr Ware zu vernünftigen Preise zur Verfügung steht. Damit ist der Auftrag sicher, auch dann wenn die Nachfrage am Markt wieder sinkt.

Was resultiert nun daraus?
Viele medizinische Einrichtungen haben bereits vor geraumer Zeit die erforderliche Anzahl an Schutzausrüstung bestellt und diese natürliche auch fest einplant. In vielen Fällen wird diese Lieferung nun aber aus bereits geschilderten Gründen nicht eintreffen. Die Beschaffungsorgane des Bundes und der Länder sind derzeit sehr bemüht, z.B. über vereinfachte Ausschreibungsverfahren, die nötigen Ressourcen zu beschaffen. Auch gibt es neben uns noch andere Unternehmen, die ihre Kontakte nutzen, um hier zu helfen. Aber was jetzt dringend nötig wäre, ist eine geordnete, gemeinsame Koordination anstatt schon jetzt darüber nachzudenken, welche Konsequenzen es für Krankenhäuser haben muss, die sich nicht ausreichend bevorratet haben.
Wir selbst haben versucht, viele nützliche Ideen, die zur Bewältigung der Krise beitragen könnten, an die Verantwortlichen von Bund und Ländern weiterzugeben. Es ist derzeit aber kaum möglich dabei auf Gehör zu stoßen, was allerding auch verständlich ist.

Welche Lösungen gibt es nun?
Wir selbst tun auf alle Fälle alles (un)menschliche und leisten unseren Beitrag, indem wir wenigstens Firmenintern einige, unserer Ideen umsetzen. Dazu gehört z.B. eine zentrale Datenbank in der wir Bedarfsmeldungen verschiedener Verbände und Institutionen bündeln um den tatsächlichen Bedarf genauer einschätzen und somit Produktion und Transport besser planen zu können. Des Weiteren würden wir gerne mit der Politik und verantwortlichen Behörden einige Punkte und Ideen erörtern. Vielleicht können Sie, lieber Leser, die nachfolgenden Gedanken dazu noch ergänzen oder weitergeben. Schreiben Sie uns in dem Fall gerne an.

  • Sofortige Abschaffung des Zollsatzes in Höhe von 6,3% bei Einfuhr von Schutzmasken aus Drittländern. Bereits gezahlte Zölle müssen erstattet werden, zumindest bei Importeuren, die ihre Ware mit nur moderaten Aufschlägen an die Gesundheitsbranche weitergegeben haben
  • Zentrale Bedarfskoordinierung über einfache Online-Tools. Die derzeitige Beschaffungs- und Verteilungspolitik wird von allen betroffenen medizinischen Einrichtungen als unzureichend und halbherzig empfunden
  • Kriminelle Machenschaften müssen sofort bekämpft werden. Angebote auf Amazon und Ebay erwecken oftmals der Eindruck, dass z.B. Schutzmasken ja durchaus sofort verfügbar sind und auch der Preis recht interessant scheint. Das schreckt viele seriöse Unternehmen ab tätig zu werden, weil man meint (im Vergleich zu den Scheinpreisen im Internet) überteuert einzukaufen. Das wirtschaftliche Risiko tut sich kaum ein Unternehmer an.
  • Nach Deckung des medizinischen Bedarfs muss es klare Anweisungen zur Gesundheitshygenie geben. Im ersten Schritt sollten dazu z.B., mit Wiederaufnahme des Schulbetriebes, die Schüler angehalten werden, am Unterricht nur mit Schutzmasken oder Behelfsmasken teilzunehmen und Hygenieregeln einzuhalten. Danach schrittweise Ausbreitung auf die Gesamtbevölkerung, sobald der Bedarf für das Gesundheitswesen gesichert ist.
  • Unterstützung zum gesicherten Transport der Güter aus Drittländern (Überwachung und Absicherung am Ausgangsflughafen, Begleitpersonal bis Ankunftsflughafen, Koordinierung von gemeinsamen Charterflügen
  • Unterstützung und Sicherung des Gesundheitswesen – jetzt und nach der Krise mit Steuermitteln. Die Beibehaltung des Soli-Zuschlag könnte hier eine sinnvolle und breit akzeptiere Lösung zu Finanzierung sein. Das selbe gilt für die Bildung. Auch hier muss sich einiges ändern wen wir nicht auf ein Bildungsniveau des Mittelalters zurückfallen wollen. Insbesondere die Lehrer benötigen hier wieder mehr Rückendeckung und Autorität und es bedarf mehr Personal, so wie im Gesundheitswesen auch
  • Unterstützen Sie sich als medizinische Einrichtung, Behörde oder sonstige Institution bitte gegenseitig und arbeiten nicht gegeneinander, sondern koordiniert. Jetzt ist nicht die Zeit zu klären wer was wann und wie verbockt hat, sondern gemeinsam Lösungen zu suchen. Auf den kleinen Ebenen funktioniert das relativ gut indem sich z.B. Krankenhäuser Bezugsquellen von Schutzausrüstung, bzw. die eigenen Bestandsprodukte so aufteilen, dass der „Bedürftigste*“ vom „Wohlhabenden*“ unterstützt wird.    * bezieht sich auf die Materialbestände
  • Teilen Sie Informationen zu Verfügbarkeiten/Bezugsquellen mit Ihren Kollegen, stellen Sie Ideen oder Lösungen in Foren und nutzen Sie Ihre Netzwerke

Es gibt noch viele, weitere Gedanken, die uns hier tagtäglich beschäftigen. Nun gilt es aber erst einmal gemeinsam an einem Strang zu ziehen, damit wir so schnell als möglich diese Krise hinter uns bringen und insbesondere auch „Folgeschäden“ vermeiden die unsere europäischen und internationalen Partnerschaften belasten.

Bleiben Sie bitte gesund und optimistisch.

Ihr Team von Blackboxx Med Division

Öffentliche Nachrichten zum Thema:

https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/masken-coronavirus-101.html